Zwischen dem 02.09. und dem 25.09.2010 zeigen wir im Wissenschaftspark Gelsenkirchen die Ausstellung UNTEN – Brüche der Metropolen und städtischer Vitalität in Istanbul und dem Ruhrgebiet, eine Ausstellung der I.N.U.R.A. Ruhr + dem Pixelprojekt_Ruhrgebiet. Die Heinrich-Böll-Stiftung NRW hat sie gefördert.

Was passiert UNTEN, wenn OBEN an Träumen einer Metropole gebaut wird, die sich mit New York, Melbourne, London, Tokio oder Hongkong messen will? Was passiert UNTEN in Duisburg-Marxloh oder Herten, wenn  OBEN in Essens oder Düsseldorfs City Hauptverwaltungen ihre Türme in den Himmel bauen, was in den Istanbuler Stadtteilen Ayazma oder Kumkapi UNTEN, wenn Istanbuls Stadtpolitiker OBEN Istanbul  für eine Olympia-Bewerbung oder als Europäische Kulturhauptstadt herrichten wollen?

Wir planen die Vernissage dieser Ausstellung für den 02.09. um 18:00 Uhr im Seminarraum des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen, Munscheidstraße 14. Leser und Leserinnen dieser Homepage sind in freundschaftlicher Verbundenheit eingeladen, an der Eröffnung dieser Ausstellung teilzunehmen. Vollständige Printfassung der Einladung bei der Heinrich Böll Stiftung NRW verfügbar.

Einladung zur Fotoausstellung

weitere Informationen unter: www.planungspolitik-forschung.de/themen

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Mit seinen über 15 Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen ist Istanbul die größte Metropole Europas und gleichzeitig Brücke zwischen Europa und Asien. Drei große Reiche, die Römer, die Byzantiner und die Osmanen haben in Istanbul ihre sichtbaren Spuren hinterlassen. Istanbul wurde Treffpunkt der drei abrahamischen Religionen und vieler Ethnien. Alltagsgewohnheiten unterschiedlicher Kulturen prägen seit Jahrhunderten das Leben in der Stadt. Istanbul – ein Ort, wo Differenz positiv gelebt wird? Aktuelle Strategien städtischer Politik lassen dies bezweifeln. Städte sind heute stets um die Schaffung eines markenähnlichen Stadtbildes bemüht, welches ihre Bekanntheit steigert und hohe Attraktivität garantiert. Istanbul präsentiert sich im Jahr der Kulturhauptstadt als weltoffene, moderne europäische Metropole und wollte ein Höchstmaß an kultureller Beteiligung sicherstellen. Spektakuläre Großereignisse, kulturelle Highlights und die Renovierung historisch bedeutsamer Kulturstätten sind Teil des Kulturhauptstadtprogramms. Abseits der Glanzseite zeigt sich ein ganz anders Bild, welches die hier ausgestellten Fotografien verdeutlichen. Die Bilder zeigen das Leben und die Lebensbedingungen in Gecekondus [sog. ‚illegale‘ Wohngebiete, besetzt und/oder ohne Baugenehmigung, aus denen nach traditionellem Recht der ‚Besetzer‘ nicht vertrieben werden darf, wenn er ‚über Nacht‘ sein Dach über dem Kopf erstellt hat] entweder in Randlage der Stadt und in innerstädtischen Stadtvierteln, die unter einem massiven Aufwertungsdruck stehen. Städtische Transformationsprojekte werden implementiert unter dem Diskurs der Modernisierung des Lebensstandards und der Lebensbedingungen. Diese Strategien greifen tief in das Alltagsleben der Bewohner und Bewohnerinnen ein. Ganze Stadtteile werden abgerissen und ihre Bewohner und Bewohnerinnen vertrieben und in weit entfernte Stadtteile umgesiedelt – ungeachtet ihrer lokalen Verwurzelung, sozialen Bedürfnisse und kulturellen Identitäten.

Das Sanierungsprojekt in Sulukule im Bezirk Fatih ist eines der bekanntesten Beispiele dieser Aufwertungsstrategien. Die Zerstörung des historisch gewachsenen Stadtteils begann mit der Implementierung des Gesetzes No. 5366 „Law for the Prevention of Deteriorated Historical and Cultural Immovable Properties by Renovation and Re-use“ (Gesetz zur Prävention des Verfalls von historischen und kulturellen Gebäuden durch Renovierung und Um-/Wiedernutzung) im Jahr 2005. Sulukule war das weltweit älteste Roma-Viertel und durch sein kulturelles Nachtleben mit den zahlreichen Roma-Musikern und -Musikerinnen ein beliebtes Ausgehviertel in Istanbul. Die Arbeitslosigkeit und Armut der Bewohner und Bewohnerinnen stieg durch die Schließung zahlreicher „Vergnügungshäuser“ (mit Musik, Essen, Trinken) in den 1950er Jahren. Durch die umfassenden Sanierungsmaßnahmen wurde die bestehende Baustruktur für den Bau von Luxuswohnungen, Hotels und Büros zerstört. Von der Hagia Sophia bis zu den historischen Wällen in Sulukule soll dieses Altstadtviertel im osmanischen Stile wieder errichtet werden, so das ambitionierte Projekt von Bürgermeister Kadir Topbaş und Premierminister Erdoğan. Die alteingesessene Bewohnerschaft wurde inzwischen vertrieben und ca. 3.500 Menschen in das 35km weit entfernte Tasoluk umgesiedelt. Teile der Bewohnerschaft blieben zunächst im Viertel und richteten sich in Zelten temporär ihr neues Zuhause ein. Ein Drittel der Bewohner und Bewohnerinnen von Sulukule lebten von weniger als 150 Euro im Monat und waren auf die solidarische Unterstützung ihrer Nachbarschaft angewiesen, welche nun zerstört wurde. International bekannt wurde die Zerstörung des Viertels durch Organisationen wie UNESCO, UN-Habitat und zahlreiche Grassroot-Organisationen, die sich dem Konflikt annahmen und für die Bewohnerschaft Sulukules einstanden. Eine Gruppe aus Bürgerrechtler und –rechtlerinnen, Architekten und Architektinnen, Anwälten und Anwältinnen haben einen „Verein zur Rettung Sulukules“ gegründet. Sie trugen den Protest auf die Straße und demonstrierten und musizierten 40 Tage und 40 Nächte lang. Doch die Stadtverwaltung zeigte sich unbeeindruckt und zerstörte eine Jahrhundertjahre alte Geschichte. Flatternde Tücher, laut spielende Kinder, Musikgruppen und Straßenverkäufer und –verkäuferinnen sieht heute keiner mehr in Sulukule.

Auch weitestgehend von der Öffentlichkeit unbeachtet vollzieht sich der Abriss des altstädtischen Viertels Süleymaniye. Es scheint, als wäre das Wort „Behutsame Stadterneuerung“ hier ein Fremdwort. 15% der historischen Baustruktur, darunter auch viele denkmalgeschützte Holzhäuser, wurden bereits abgerissen. Auch hier wird ein Mittelklassewohngebiet im osmanischen Stil entstehen. Die vermeintliche Attraktivitätssteigerung soll auch vermehrt Touristen und Touristinnen in das Viertel locken, die derzeit nur für den Besuch der bekannten Süleymaniye Moschee in dieses Viertel kommen. Seit 1985 ist Süleymaniye aufgrund seiner historischen byzantinischen und osmanischen Steingebäude UNESCO-Weltkulturerbe. Doch das Viertel ist marode und vernachlässigt, was nicht zuletzt auch an (den) rigiden Auflagen des Denkmalschutzes liegt. Restaurierungsarbeiten unterliegen strengen Auflagen und die bürokratischen Hürden ziehen oftmals lange Genehmigungsprozesse nach sich. Auch in Süleymaniye gibt es Bemühungen, eine BürgerInneninitiative ins Leben zu rufen. Zudem soll ein Kompetenzzentrum für die Restaurierung alter Holzhäuser (KUDEB), durch die Stadtverwaltung finanziert und mit der UNESCO kooperierend, jungen Restauratoren und Restauratorinnen das vergessene Handwerk der osmanischen Schreiner lehren. Diese Art der Restaurierung stellt eine gelungene Alternative zur billigen Stahlkonstruktion mit angeklebten Holzfassaden der Stadtverwaltung dar.

23km vom Istanbuler Stadtkern gelegen befindet sich der Stadtteil Ayazma im Bezirk Küçükçekmece. Mit der Ansiedlung von Industriebetrieben zogen auch zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen in den Bezirk. Durch die gute infrastrukturelle Erschließung und die räumliche Nähe zum Stadtzentrum wurde der Bezirk im Laufe der letzten Jahrzehnte besonders attraktiv für die lokale Regierung. Mit dem Bau des Atatürk-Olympiastadiums auf einer 25ha großen Fläche im Jahr 1999 begann die erste Aufwertungswelle in Ayazma. Nicht nur die Bezirksverwaltung hat an der Entwicklung des Gebietes Interesse, sondern auch die Verwaltung des Großraum Istanbuls. Ein internationales Symposium im Jahr 2004 diskutierte über Stadtumbauprojekte im Bezirk, bei dem die Gecekondus Ayazma, Altinşehır und Tepeüstü als Stadtumbaugebiete ausgewiesen wurden. Ein strategischer Plan mit den Schwerpunkten „Tourismus, Naherholung, Wirtschaft und Wohnen“ wurde im Jahr 2006 dann von der Bezirksregierung erarbeitet. Für die Gecekondu-Bewohner und -Bewohnerinnen bedeutete dies eine Vertreibung aus ihrem Wohnumfeld und Umsiedlung in für sie kaum erschwingliche Neubaugebiete. Sie mussten für die Tourismus- und Freiraumachsen als Teil des ökologischen Korridors Istanbuls sowie für die Entwicklung von neuen Wohn- und Dienstleistungsstandorten weichen. Die ehemalige Bewohnerschaft Ayazmas und Tepeüstüs zogen vor 3 Jahren in neu errichtete Sozialwohnungen der TOKI-Bau-Genossenschaft in Bezirganbahçe um. In Bezirganbahçe sind 55 Wohnblöcke mit insgesamt 2.640 Wohnungen entstanden. Es erinnert an die monofunktionalen Wohngebiete aus den 1960er Jahren hierzulande – ergänzend sind lediglich eine Schule, ein Gesundheitszentrum, ein Kindergarten, ein Gemeindezentrum sowie Sportanlagen im Gebiet zu finden. Die neue, gezwungenermaßen zugezogene Bevölkerung, hauptsächlich mit einem kurdischen Background, ist von vorneherein ausgegrenzt. Sie zählt zu den ärmsten Bewohnern und Bewohnerinnen und wird in einer offiziellen Broschüre der Stadtverwaltung sogar als „those wild, mountain people, who have no idea about urban ways of life“ (diese wilden Bergbewohner, die nicht die geringste Vorstellung von einem städtischen Lebensstil besitzen) beschrieben. Ihnen wird lediglich ein „primitiver Lebensstandard“ zugesprochen und sie hätten Land besetzt, was für „höherwertige“ Nutzungen in Zukunft vorgesehen sei. Die offene Stigmatisierung der Bewohnerschaft durch die Stadtverwaltung und Politik wird noch durch soziale Spannungen unterhalb der Bewohner und Bewohnerinnen selbst begleitet. Die alte Bewohnerschaft von Bezirganbahçe begegnet den neu Zugezogenen mit Misstrauen und sie bilden eine Art polizeiliche Allianz um die urban poor unter Beobachtung und Kontrolle zu halten.

Tarlabaşı, in unmittelbarer Nähe von Taksim-Beyoğlu, ist ebenfalls Opfer der Transformationspolitik und des Artikel 5366 zur Stadterneuerung. Tarlabaşı ist ein Beispiel für ein vernachlässigtes, ethnisch auffälliges “Ghetto”-Gebiet: Fremde, Transsexuelle, usw… ein ‘gefährlicher Ort’. Die Bewohner und Bewohnerinnen von Tarlabaşı waren historisch die nicht-muslimische Bevölkerung des Osmanischen Reiches. In neuerer Zeit sind es Migranten und Migrantinnen aus Anatolien, Kurden und immer mehr illegalisierte afrikanische und asiatische Flüchtlinge. Viele arbeiten im informellen Sektor des angrenzenden Tourismus- und Einkaufsviertel um den Taksim und die Istiklalstrasse. Für den Bau des Tarlabaşı Boulevards in 1986 wurden bereits 300 levantinische Häuser abgerissen und das Viertel räumlich vom sozial und ökonomisch aufsteigenden Taksim-Gebiet getrennt. Durch die räumliche Trennung blieb Tarlabaşı anders als das benachbarte Viertel um die Istiklal Caddesi von den Gentrifizierungswellen in den 1990er Jahren vorerst verschont. Die Vernachlässigung des Viertels führte jedoch zu einem andauernden Prozess räumlichen Verfalls. Als letztes innerstädtisches Armenviertel ist Tarlabaşı eine Insel zwischen den schon längst gentrifizierten Stadtteilen Galata, Cihangir und Talimhane. Durch den städtischen Transformationsprozess soll sich dies ändern und auch Tarlabaşı ein Ort des gehobenen Wohnens für “bessere” Schichten werden. Die Verwaltung von Beyoğlu arbeitet mit TOKİ und der Baufirma GAP zusammen. Gegen diesen Plan gründeten die Bewohner und Bewohnerinnen eine Vereinigung zum Schutz und zur Verteidigung ihrer Rechte als Eigentümer und Eigentümerinnen sowie Mieter und Mieterinnen. Diese Nachbarsschaftsinitiative stoppte bisher den Verhandlungsprozess zwischen der Stadtverwaltung und TOKI. Die Stadtverwaltung will offensichtlich nicht nur den materiellen Zustand der baulichen Umgebung verbessern, indem Fassaden und Wohnungen renoviert werden, sondern sie will die Vertreibung der ansässigen Bevölkerung zugunsten homogener und wohlhabendere Schichten: ein typischer Gentrifizierungsprozess.

Der Stadtteil Kumkapı liegt am Marmara Meer im Bezirk Eminonü. In Istanbul ist Kumkapı wegen seines authentischen Nachtlebens mit zahlreichen Bars und türkischer Lifemusik bekannt. Einst war Kumkapı ein Fischerdorf, durchsetzt freilich von Werkstätten und Geschäften für Fischereibedarf. Die 2-4-stöckigen Wohnhäuser, früher einmal von Fischern bewohnt, wurden zu kleinen Fischerkneipen und Fischrestaurants umgebaut. Die “Wiederherstellung” von Kumkapı ist ein formuliertes Ziel der Kulturhauptstadt Istanbul 2010.

Der in unmittelbarer Nähe der Galata-Brücke gelegene Stadtteil Perşembe Pazarı birgt Hafendienstleitungen und Schifffahrtsdienstleistungen, aber auch traditionelle Metallindustrie  in alten Gemäuern. Ihn prägen auch touristisch orientierte, schicke Fischrestaurant und eine unendliche Zahl von Shops, die Schifffahrtszubehör, Werkzeuge aller Art und Kleineisenteile anbieten. Dieser Stadtteil ist von Modernisierung der türkischen Ökonomie insgesamt und der staatlich-städtischen Aufwertungsstrategie der Innenstadt bedroht und getrieben.

Das auf der Südseite des Goldenen Horns gelegene Viertel Fener-Balat war traditionell ein bevorzugter Wohnort des Istanbuler Bürgertums. Heute ist es da, wo der Verfall infolge der epochalen Suburbanisierung bürgerlichen Wohnens aufgehalten werden konnte, eher kleinbürgerlich. Aber die Nähe zur „City“ und zum mittleren Goldenen Horn haben Aufwertungsphantasien beflügelt. An ihnen setzt die staatlich-städtische Aufwertungsstrategie unserer Tage an und gefährdet das Viertel und seine traditionelle Baustruktur. Im Verfall wartet schon die Gentrifizierung des Stadtteils.

Das Werftenviertel Haliç-Tersaneliri am Goldenen Horn war Ende des 19. Jahrhunderts und im beginnenden 20. Jahrhundert das Herz der industriellen Entwicklung Istanbuls. Haliç setzte, gestützt auf moderne Eisen- und Stahlproduktion in der Türkei, weltweit die umfangreiche antike und mittelalterliche Schiffbautradition am Goldenen Horn fort. Heute liegt es zu nah an der „City“ und zu weit weg von den Achsen der Welt-Schifffahrt entfernt, als dass dies so bleiben könnte. Haliç-Tersaneleri befindet sich als Werftenstandort im Niedergang. Wenn die Werften nicht geschlossen wurden, dann wurden sie verlagert. Eine 2. Brücke über das Goldene Horn, die sich nie für die Schifffahrt öffnen ließ, obwohl dafür konstruiert, gab den Werften den Rest. War dieses „Missgeschick“ Teil der städtischen Stadtumbaupolitik für die neue City?

Kiraş liegt in der östlichen Peripherie Istanbuls. Es ist Auffangbecken der Armuts- und Kriegsflüchtlinge aus dem anatolischen Osten und den Kurdengebieten. Der Stadtteil entwickelt sich deswegen durch Gecekondus, den Spontangebäuden, die nach islamischem Recht von Wohnungslosen legal auf staatlichem oder städtischem Land errichtet werden können. Er entwickelt sich aber auch durch Industrieansiedlung internationaler Konzerne im anatolischen Teil der Metropolenregion Istanbul und durch TOKI-Wohntürme..TOKI ist „die“ Staatsfirma für genossenschaftliches Wohneigentum. Weil die Refinanzierung der Wohnungen in TOKI trickreich, extrem gedehnt und politisch abgefedert ist, sind TOKIs in Istanbul Ausdruck der sozialen Segregation im modernen Wohnblock.

Die hier im Rahmen der Ausstellung vorgestellten Beispiele verdeutlichen bildhaft den Umfang und die Intensität der Vertreibung alteingesessener Bewohner und Bewohnerinnen und sind Zeugen einer schwindenden Humanität. Die armen Bevölkerungsgruppen passen nicht mehr in das gewünschte Glamour-Bild der Stadtverwaltung, der es um die Vermarktung und den Verkauf der Stadt an den Tourismus geht. So stehen neben den Gecekonduvierteln auch die historische Peninsula und zentrale innerstädtische Gebiete unter demselben Transformations- und Zerstörungsdruck.

Ruhrgebiet: Wir gehen davon aus, dass die Ausstellungsbesucher und -besucherinnen über die Metropolenregion Ruhr und ihre Stadtentwicklung in großen Zügen und ausreichend informiert sind und fassen uns deswegen kurz.

Der Aufstieg des Ruhrgebiets begann im 18. und 19. Jahrhundert mit der Montanindustrie, mit den Dampfmaschinen, den Tiefbauzechen und dem Zuzug von Arbeitskräften von überall her aus Europa. Die Verstädterung der Region setzte in den letzten 30 Jahren des 19. Jahrhunderts ein, als die Arbeitskräfte aus dem ländlichen Umfeld nicht mehr ausreichten, die ökonomische Wichtigkeit der Montanindustrien ihrem ersten Höhepunkt entgegen strebte, die Bevölkerung explosionsartig zunahm und Eisenbahnen und Straßenbahnen die Industrien unter einander und auch die Wohnstandorte mit den Werkstandorten vernetzten. Auch der Aufstieg des Ruhrgebiets war für die einfachen Leute kein Zuckerschlecken, selbst  wenn irgendwann sauberes Trinkwasser für alle in den 1920 Jahren da war, Wohnungen für die meisten bis zum Beginn des zweiten Weltkrieg und Straßen, Kirchen, Sportarenen, Schulen, Theater Mitte der 1960er Jahre. Endlich, seit 1965 gab es auch Universitäten. Jetzt haben wir sogar von Duisburg bis Hamm neue Wissenschafts- oder Technologiezentren. Es gab ein unbestrittenes Streikrecht, demokratische Rechte für alle und ordentliche Facharbeiterlöhne für viele nach dem Ende des  Zweiten Weltkriegs und mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland ab den 19 50er bis zu 1990 Jahren. Immerhin mussten auch eine Revolution (1918), Arbeitsverpflichtung in zwei Weltkriegen (1914-1918) (1939-1945)und Hungerzeiten bis 1950 durchlebt werden.

Die montanindustrielle Entwicklung verlagerte sich im Lauf des 20. Jahrhunderts. Der Bergbau und die Eisen- und Stahlindustrie ging vom Süden, vom Ruhrtal im 18. Jahrhundert aus. Im beginnenden 20. Jahrhundert begannen sie die südlichen Bereiche der Hellwegstädte von Duisburg im Westen bis nach Dortmund und Hamm im Osten zu prägen. Dann begann die Nordwanderung über die Köln-Mindener Eisenbahn hinaus und die Montanindustrien erreichte in der Weltkriegs II – Zeit die Emscherstädte.

„Erst stirbt die Zeche, dann die Stadt“, betitelte Wolfgang Quickel seine Bildserie über den Kampf um die Bergwerksarbeitsplätze In Herten. Dort oder überhaupt im Norden des Ruhrgebiets ist der Kohlebergbau um 2000 herum aufgegeben worden. Zwar haben die Städte im Ruhrgebiet das überlebt, aber viele Menschen leben darin  jetzt schlecht. In den tief industrialisierten Städten brach dem Wachstum der Metropole die traditionelle ökonomische Basis weg. Ein Strukturbruch jagte den nächsten. Die Krisen kamen per Express, seit 40 Jahren. Übrig blieben einige Kraftwerke an der Lippe, zwei Chemiestandorte im Emscherraum , ein einziges Eisen- und Stahlwerk in Duisburg, keine Zeche mehr im engeren Ruhrgebiet. Übrig blieben aber immer die  ausgedehnten Industriebrachen, für die sich keine angemessene neue Nutzung fand. Eisen, Kohle, Koks und Kanonen, Industrieausrüstung, Maschinenbau und Eisenbahnschienen, – sie werden nicht mehr in der Ruhrstadt produziert, sondern im Ausland. Hauptverwaltungen wurden gnadenlos zusammen gelegt. Kämpfe gegen die Verlagerung von Vodafone und Nokia, gegen Zechen- und Stahlwerkschließungen wurden verloren. Opel in Bochum hält sich – noch.

Das Ruhrgebiet erlebt eine hartnäckige, negative wirtschaftliche Abkoppelung vom Wachstum der Bundesrepublik, sichtbar in der unterdurchschnittlich niedrigen Entwicklung von Erwerbstätigenzahlen. Im Ruhrgebiet waren etwa im Oktober 2008 insgesamt 262.586 Menschen arbeitslos. Seit 1980 stieg die Arbeitslosenzahl um mehr als 300% und lag im Ruhrgebiet immer deutlich höher als in Nordrhein-Westfalen (Nov. 2008: RVR 10,3%, NRW 8,0%, BRD 7,1%). Von den 5,4 Mio. Einwohnern sind heute 620 000 ausländischer Herkunft. Armut und Migration überlagern sich deutlich. Die Einführung von Billig-Lohn-Sektoren und Hartz IV haben zur Verfestigung prekärer Arbeits- und Lebensverhältnisse seit 2006 erheblich beigetragen.

In den 1960er Jahren begannen die Städte im Ruhrgebiet auch an der Flächensanierung und dem Abriss von Wohngebieten und Arbeitersiedlungen zu sterben und an den nicht integrierten neuen Städten auf der  grünen Wiese vom Typ Wulfen, Fahrn in Duisburg, Huestadt in Bochum und Scharnhorst in Dortmund. Die vom Leerstand angefressenen und vom Abriss bedrohten Arbeiterquartiere wie in Essen-Altenessen, kriselnde Geschäftslagen wie z.B. in Duisburg-Marxloh oder Herne-Wanne, leer stehende Industriehallen wie in Oberhausen, kurz, eine von Autobahnen und von Brachen aller Art durchlöcherte  Zwischenstadt war das Resultat diese „Sanierung“. Was sich auf Brachen wieder sporadisch einnistete, waren beispielsweise Einkaufszentren wie das CentrO in Oberhausen, öffentliche Gebäude wie das Arbeitsamt Dortmund, die Fortbildungsakademie des Innenministers in Herne, Wissenschaftszentren wie das Gelsenkirchener, großflächige Frächter- und Verteilerzentren wie das von UPS in Herne oder von Ikea in Dortmund. Im Süden des Ruhrgebiets und im Hellwegraum sieht das oft anders aus als im Emscherraum. Die Aufwertungsräume im Norden sind deutlich kleiner, die Stadtstrukturen fragmentierter, der Bevölkerungsverlust stärker.

Heute ist neben dem Umbau der Bahn- und Industriebrachen die Bedrohung des Mietwohnungsbestands ein großes Thema. Städtische Wohnungsgesellschaften z.B. in Dortmund, Bochum, Datteln oder Essen hatten schon um die Jahrtausendwende schwierig zu bewirtschaftende Großobjekte an regionale Spekulanten verkauft. 2004 bis 2006 aber begann der Ausverkauf der das Ruhrgebiet prägenden Massenwohnungsbestände im Umfang von mehr als einer halben Million Wohnungen, die den ehemaligen Montangesellschaften gehört hatten, an internationale Finanzspekulanten. Die angeblichen Finanzinvestoren haben sich mittlerweile als Desinvestoren erwiesen. Sie lassen die Wohnungen und die Wohnumgebung verkommen. Ganze Stadtviertel, wie Dortmund-Westerfilde beispielsweise, ein Paradestück moderner Stadterweiterung aus den 1970er Jahren, drohen abzustürzen. Und mit ihnen die Hartz IV-Empfänger-Familien, die Migranten und Migrantinnen und die anderen Armen zuerst, die da wohnen. Doch Mieter und Mieterinnen, Mietervereine, soziale Netzwerke und manche Stadtverwaltung haben begonnen gegen diese große, neue Zumutung den Kampf aufzunehmen.

Zusammenstellung: Theresa Baumeister, Sebastian Müller

Wir haben eine erfreuliche Nachricht: Die Künstler und Künstlerinnen für die Fotoausstellung stehen fest. Die Ausstellung wird im Septemer 2010 im Wissenschaftspark Gelsenkirchen stattfinden. Für Istanbul suchen wir zur Zeit noch eine geeignete Ausstellungshalle. Die Ausstellung wird dort voraussichtlich im Winter 2010/Frühjahr 2011 sein.

Künstler und Künstlerinnen aus dem Ruhrgebiet:

– Oliver Blobel

– Henning Christoph

– Rudolf Holtappel

– Brigitte Krämer

– Dirk Krüll

– Peter Liedtke

– Thomas Lison

– Sebastian Mölleken

– Wolfgang Quickels

– Mark Wohlrab

– André Zelck

Fotos der Ruhrgebietskünstler und -künstlerinnen findet man unter: http://www.pixelprojekt-ruhrgebiet.de

Künstler und Künstlerinnen aus Istanbul:

– Serra Akcan

– Usuf Arslan

– Sahan Nuhoglu

– Fatih Pinar

– Kerem Uzel

Fotos der Istanbuler Künstler und Künstlerinnen findet man unter: http://www.narphotos.net und http://www.fatihpinar.com

Inhaltlicher Bericht Fotoausstellung Istanbul – Ruhrgebiet

Stand des Fotoprojektes, 17.08.2009

Übersicht

  • Bisherige Arbeitsschritte
  • Ausstellungskatalog
  • Partnerschaften Ruhr
  • Partnerschaften Istanbul
  • Internetblog
  • Begleitende Vorträge
  • Migrationsworkshop
  • Vernetzungskongress
  • Nächste Arbeitsschritte

Bisherige Arbeitsschritte

Von uns wurden mehrere Texte zum Inhalt und Gegenstand der Ausstellung  verfasst, die als Projektbeschreibung für uns, der Öffentlichkeit und zum Akquirieren weiterer Finanzen dienen sollten. Ebenfalls wurde von den Istanbuler Projektverantwortlichen Texte über den Inhalts und der methodischen Vorgehensweise verfasst. Diese sind in Englisch und Deutsch verfügbar.

Wir haben Flyer und einen Infotext für Inura Konferenz in Istanbul entworfen, welche im Juni stattfand. Sebastian hat an der Konferenz teilgenommen und die Projektidee dort mit anderen Stadtforscher und Stadtforscherinnen diskutiert. Weiterhin hat er mit den Istanbuler Projektpartner und Partnerinnen konzeptionelle und organisatorische Aufgaben entwickelt  und abgesprochen.

Ferner bemühen wir uns zurzeit um weitere finanzielle Unterstützung. Wir wollen bei der Kulturstiftung NRW sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW Förderanträge stellen. Auch für Istanbul planen wir, Anträge mit den türkischen Partnern zu stellen. Wir stellten bereits einen Antrag bei der Robert-Bosch Stiftung, der allerdings abgelehnt wurde. Von der Mercator Stiftung haben wir bislang keine Zu- oder Absage bekommen.

Seit Juni 2009 arbeiten wir mit zwei Düsseldorfer Designstudentinnen zusammen. Sara-Lena Göbel und Anna Herrmann sollen das ‚Corporate Design’ der Ausstellung und des Katalogs entwickeln. Sie entwerfen ein Logo für das gesamte Projekt, gestalten Einladungskarten (für begleitende Veranstaltungen, die Ausstellung, etc.) und Briefköpfe und entwerfen eine Internetpräsenz. Die Idee ist, mit ‚Licht zu gestalten’. Die weniger glanzvollen Seiten des städtischen Wandels sollen mit dem Medium Licht dargestellt werden. Insgesamt kann durch das ‚Corporate Design’ die Ausstellung in der Öffentlichkeit eindrücklicher präsentiert werden und der Wiedererkennungswert gesteigert werden.

Inura Ruhr hat zusammen mit Peter Liedtke vom Pixelprojekt_Ruhrgebiet im Mai Fotos aus dem Pixelprojekt Archiv ausgewählt. Aus den Themenblöcken des Projekts sind folgende Serien ausgewählt worden:

Themenblock  Soziales

  • Nachbarschaften
  • Geduldet geboren
  • Am Kanal
  • Klaus- der Bodoverkäufer
  • Türken im Ruhrgebiet
  • Siedlung, Arbeit, Freizeit
  • So nah, so fern

Themenblock Stadt

  • Miet mich!
  • Zwischenstadt
  • Arbeitersiedlungen im Ruhrgebiet

Themenblock Arbeit

  • Erst stirbt die Zeche, dann die Stadt

Eventuell kommen auch noch folgende Serien und ihre Fotografinnen in Frage:

  • Obdachlosensiedlung Hamm
  • Rheinhausen Stahlarbeiterstreik
  • Arbeitskämpfe 66-82
  • Dortmunder Strände
  • 93/03
  • Tante Änne
  • Grabeland
  • Dortmunder Berge
  • Landschaften im Ruhrgebiet

Ausstellungskatalog

Bisher halten wir an der Idee fest, die Ausstellung durch einen Ausstellungskatalog zu begleiten. Das Layout für den Katalog sollen, wie oben erwähnt, die beiden Düsseldorfer Studentinnen erstellen. Neben den fotografischen Arbeiten wollen wir vor allem fachliche Texte zu den Themen postfordistische Stadtentwicklung, Gentrification, städtische soziale Bewegungen, Armut, Jugendliche Perspektiven etc. in den Katalog integrieren. Hierzu haben wir schon Zusagen von StadtaktivistInnen aus Istanbul und StadtforscherInnen aus dem Ruhrgebiet, die wir durch die Inura Zusammenhänge kennen.

Partnerschaften Ruhr

Für den Ruhrteil haben wir drei kleine Partnerschaften organisiert, darunter ist  die mit dem Pixelprojekt die entscheidende:

* Pixelprojekt_Ruhrgebiet: Ausgewählte Fotografinnen und Fotografen des Pixelprojektes bekommen die Möglichkeiten, ihre fotografischen Arbeiten, die thematisch zu unserem Projekt passen, auszustellen.

* AMOS: Amos wird die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. Angedacht ist ein AMOS Heft zur Ausstellung. Außerdem nimmt AMOS bei der Auswahl der Fotografen und Fotografinnen teil.

* Wir haben auch mit dem Internet-Magazin „Reclaiming Spaces“ über eine mediale Zusammenarbeit gesprochen. Die Zusammenarbeit ist für den Ausstellungskatalog angedacht, der sowohl hard cover als auch im Internet durch „Reclaiming Spaces“ präsentiert werden kann. „Reclaiming Spaces“ wird durch eine internationale Redaktion produziert.

* FH Düsseldorf: Fotodozent Jörg Reich hat im Sommersemester (März-Juni 2009) ein Seminar für Düsseldorfer Studentinnen und Studenten der FH angeboten. Angedacht war zudem, dass eine kleine Gruppe von Studierenden nach Istanbul fliegt um dort ebenfalls Fotos zu machen.

Partnerschaften Istanbul

Die Kooperation mit Istanbul fußte vom Herbst 2008 an bis zum Frühsommer 2009 vor allem auf zwei wertvollen Kontakten. Im November 2008 konnten wir mit dem bekannten Istanbuler Geographie-, Landschafts- und Stadtfotographen Fatih Pinar übereinkommen, 12 Serien von Foto-, bzw. Videostudien innerstädtischer Transformationsquartiere Istanbuls auch für unsere Ausstellung zu produzieren und zur Verfügung zu stellen. Fatih Pinar plante, daran 2009 und 2010 zu arbeiten. Unsere Projektkorrespondentin in Istanbul ist Ece Sariyuez, ein Inura Mitglied, die in Dortmund Raumplanung studierte.

Die INURA-Jahrestagung in Istanbul Ende Juni war ein willkommener Anlass über Vorträge auf der Konferenz und durch eine zweitägige Exkursion mit einer Fülle von Begegnungen und Debatten mit BewohnerInnen und StadtexpertInnen die Kenntnisse über die Stadtentwicklung Istanbuls zu vertiefen und ihre aktuelle Dynamik und die aktuellen politischen Auseinandersetzungen entschieden besser zu begreifen.

Für Istanbul muss weiter eine passende Ausstellungsgelegenheit gefunden werden, was nicht im ersten Anlauf während der Istanbulwoche gelang. Wir werden bei einem alten Tabakdepot des Vereins Anadol Kültür nachfragen, den wir für einen geeigneten Ort halten. Für die Istanbuler Präsentation müssen in Istanbul Sponsoren gesucht und Anträge für eine finanzielle Unterstützung gestellt werden. Die Ausstellung vor Ort wird dann mit Ece Sariyuezs Hilfe schließlich konzeptioniert und realisiert werden.

In Istanbul sind Kooperationen mit dem Goethe Institut und dem Büro der Heinrich Böll Stiftung in Istanbul. Wegen langfristiger Haushaltspläne des AA aber leider nur über Restmittel des Haushalts 2009 und 2010 unterstützen könnte. Insbesondere für 2010 sah sie aber Möglichkeiten aus dem Haushalt der Gothe-Institute insgesamt extra Restmittel zu mobilisieren. Voraussetzung dafür wäre ein Kostenplan und eine Projektskizze, die Mitte Juli 2010 bei ihr vorliegen müssten. Zudem wollen wir im November einen Antrag bei der Kulturhauptstadt Istanbul für das Projekt zu stellen.

Mit Fatih Pinar besprachen wir die Beauftragung von drei weiteren, jüngeren Fotographen von Nar Photos mit Themen der Ausstellung.

Begleitende Vorträge

Vortrag Pelin Tan, Stadtsoziologien aus Istanbul, 05.02.2009 Taranta Babu

Pelin Tan aus Istanbul hat einen Vortrag zu „Neoliberal urban Transformation and opportunities of counter-culture in urban spaces“ gehalten. Es waren mit uns 26 Leute da, also relativ viele für den Buchladen im Taranta Babu.

„Migranten-Kongress“ (2tägig)

Ein die Fotoausstellung begleitender Kongress soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 (voraussichtlich am 10.10.2010) durchgeführt werden. Viktoria Waltz ist hierfür die Hauptverantwortliche sein und Akoplan übernimmt die Antragstellung/Trägerschaft bei der Stiftung „DieGesellschafter“. Der Förderungsantrag wurde am 18.05.09 eingereicht. Bislang haben wir noch keine Rückmeldung bekommen.

Themen des Kongresses

* ‚1, 2, 3 Generation – Stationen der Hoffnung, Stationen des Schweigens’ (Prof. Yasemin Karakasoglu, Bremen)

* ‚Wohnerfahrungen von Migranten und Migrantinnen’ (Dr. Viktoria Waltz, Dortmund)

* ‚Gesund im Alter’ (Dr. Yousouf Yousouf)

‚Vernetzungskongresse’ (1-2tägig)

Um Akteure und Akteurinnen beider Regionen zusammenzuführen, um die gewollten Kommunikationsprozesse anzustoßen, denken wir über zwei Kongresse nach: In Istanbul soll ein Kongress über Stadtentwicklung in Ruhr und im Ruhrgebiet soll ein Kongress über Stadtentwicklung in Istanbul abgehalten werden. Die beiden Kongresse sind ebenfalls im Kulturhauptstadtjahr 2010 angedacht.

Nächste Schritte

Nach unserer kleinen Sommerpause im Juli 09 kommen folgende Arbeitsschritte auf uns zu:

* weitere Akquirierung von Finanzen: Dies ist besonders wichtig, da der Etat voraussichtlich nicht reichen wird. Wie oben erwähnt, kontaktieren die Kulturstiftung und Rosa-Luxemburg Stiftung. Zudem treten wir wieder in Kontakt mit dem Landtagsabgeordneten der Grünen, ob die Projektfinanzierung ihrerseits zustande kommt.

* Kontakt zu Peter Liedtke vom Pixelprojekt und Absprache mit den Fotografen und Fotografinnen, die für die Ausstellung ausgewählt worden sind. Wir brauchen eine Genehmigung, dass wir ihre Fotos ausstellen dürfen.

* Absprache mit Sara-Lena Göbel und Anna Herrmann bezüglich des gesamten Layouts und Konkretisierung unserer Vorschläge

* Weiterentwicklung der Ausstellungskonzeption für das Ruhrgebiet

* Dauerhafter Kontakt zu den Istanbuler Projektverantwortlichen und Anpassung der beiden Konzeptionen auf ein Gesamtprojekt

INURA Rhein-Ruhr

Fotoausstellung „Metropole- voll krass“

Istanbul-Ruhr Fotoprojekt

Wir erarbeiten eine Foto- und Videoausstellung, welche die aktuellen Transformationen, Umbrüchen und (De-)konstruktionen von Raum, Lebensbedingungen und sozialen Beziehungen im Ruhrgebiet und in Istanbul, den Kulturhauptstädten im Jahr 2010, dokumentiert. Beide Metropolregionen produzieren neue Räume und neue Klassen von Verlierern und Gewinnern. Wir wollen uns mehr mit den Verlierern des Umbruchs befassen, was viel zu selten geschieht, mit den Nachbarschaften, Menschen und ihren Lebensgeschichten, die unter der rasanten Verschlechterung ihrer Lage leiden.

Inhalte des Projektes

Die Ausstellung möchte aktuelle Ereignisse und Entwicklungen, heutige Probleme und betroffene Menschen des städtischen Umbruchs beider Regionen erfassen und dokumentieren. Sie soll sich mit den Widersprüchen unserer Existenzen und Existenzbedingungen in den Städten, die von Krisen betroffen sind, beschäftigen und dabei die nationalen und internationalen Bedingungen für die laufenden Auseinandersetzungen im Blickpunkt haben.

Die Ausstellung läuft unter dem Fokus der „Krisen“ und ihren konkreten Auswirkungen auf die städtischen Lebensverhältnisse in Ruhr und Istanbul. Andere Schwerpunktthemen sind Armut und Exlusion, Migration und Segregation, Bewegung und Widerstand, Arbeitsplatzverlust und Protest, Jugendliche und Perspektivlosigkeit

Krisen

Die Autokrise nimmt immer größere Ausmaße an. Absatzeinbrüche, drohende Werkschließungen und Stellenabbau stehen auf der Tagesordnung. Aktuell ist das Opel Werk in Bochum davon betroffen. Hier werden Warnstreiks und Proteste erwartet.

Vor kurzem hat IWF-Chef Strauss-Kahn gesagt, die Finanzkrise hat noch nicht die Realwirtschaft erreicht[1]. Doch die Schließung des Opelwerks und sonstige Betriebsschließungen sind Ausdruck dessen, dass die Krise die Realwirtschaft bereits erreicht hat.

Die Phase sozialstaatlicher Expansion ist längst vorbei und Exklusion, „under class“, Armut und Ghettoisierung bestimmen schon seit den 80er Jahren die Debatte um Arbeitslosigkeit. Die Finanzkrise wird die Armut verstärken und die Teilhabechancen am sozialen, politischen, kulturellen Leben weiter beschränken. Traditionelle Armutsgebiete verfestigen sich und die Bewohner und Bewohnerinnen werden weiter marginalisiert.

Auch auf dem Wohnungsmarkt ist eine Krise durch Wohnungsprivatisierungen zu sehen. In den ersten fünf Jahren des 21 Jahrhunderts verschärften sich die Widersprüche auf den Ruhrgebietswohnungsmärkten für einfache und sozial ausgerichtete Wohnungen. Sie verschärften sich, weil fast sämtliche der traditionellen unternehmensgebundenen Wohnungen im Ruhrgebiet und eine Reihe kommunaler Wohnungsbestände der Privatisierung zum Opfer fielen. Von den 1,8 Millionen Wohnungen, die in Deutschland zwischen 1999 und 2007 in größeren Paketen an internationale Investorenfonds verkauft wurden, wurden ca. eine halbe Million im Ruhrgebiet verkauft. Aus diesen Privatisierungen gingen die aktuell größten Wohnungsunternehmen Deutschlands hervor, Gagfah und Deutsche Annington. Wo es nur ging, wurden nach den Verkäufen Mieten erhöht oder Bergarbeiter- und Stahlarbeiterhäuser samt ihrer Gärten parzelliert und das Gemeinschaftseigentum zerlegt. Bis zur Hälfte der alten Personalbestände wurden Fachleute, Wohnungswirte, Hausmeister, Servicekräfte und Verwaltungskräfte entlassen, aber die Zahl der Call-Center Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erhöht. Alte Mieter und Mieterinnen wurden gemobbt und zum Auszug gedrängt. Vermehrt müssen sich Mieter und Mieterinnen über falsche und überhöhte Nebenkosten herumstreiten oder in schwer gesundheitsschädlichen, vernachlässigten Wohnungen leben und in hunderten von Wohnungen in Siedlungen oder Hochhäusern mit mangelhafter Abfallbeseitigung oder verlotterten Grünbereichen fertig werden. Das lassen sich viele Mieter und Mieterinnen nicht mehr gefallen. Sie gründeten Mieterräte, die gegen solche Missstände kämpfen.

Auch die Energiekrise wird Auswirkungen auf (vor allem) arme Menschen haben, da steigende Heizkosten nicht bezahlt werden können. Auch Modernisierungsmaßnahmen von Wohnungen können nicht finanziert werden, und bei Hartz-IV Empfänger/innen in Deutschland sind die Argen nicht bereit, höhere Mietkosten zu zahlen und Zwangsumzüge sind die Folge.

Durch die Haushaltskrise des Staates und der Kommunen werden immer mehr Versorgungsleistungen in die Hände von privaten Akteure und Akteurinnen gelegt. Der Glaube an den Markt hat die Privatisierung von öffentlichen Gütern/Eigentum und öffentlicher Daseinsvorsorge gerechtfertigt. Doch die negativen Auswirkungen werden mehr als deutlich: „im Energiesektor hat sich ein Oligopol gebildet […]; die Deutsche Bahn expandiert in die ganze Welt, während sie in Deutschland das Schienennetz abbaut; viele Kommunen haben mit dem Verkauf ihres Eigentums viel politischen Einfluss verloren oder sich mit Cross Border Leasing großen finanziellen Risiken ausgesetzt“[2].

Ruhr

Armut und Exklusion

Seit Anfang der 80er Jahre zeigt sich- vor allen in großen Städten- eine zunehmende soziale Polarisierung[3]. Die zunehmende Arbeitslosigkeit ist u.a. mit dem Strukturwandel von der Industrie- hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft verknüpft. Durch Arbeitslosigkeit und schwächere soziale Bindungen steigt die Gefahr der Exklusion. Es zeichnet sich ein „Drinnen“ und „Draußen“ ab – Dazugehörige und Ausgegrenzte.[4] Das Gesicht der sozialen Frage ändert sich, früher wurden die Arbeitsbedingungen beklagt, heute dass es keine Arbeit mehr gibt. In Dortmund und Gelsenkirchen zum Beispiel ist die Arbeitslosenquote mit 15,3% bzw. 17,1% im NRW-Vergleich (10,2%) hoch[5]. Durch Hartz IV nimmt Prekarität und Verarmung weiter zu. Mehr als ein Viertel der Ruhrgebietsbewohner und -bewohnerinnen lebt in „Stadtteilen mit besonderen Erneuerungsbedarf“.[6] Stadtteile und Quartiere im Ruhrgebiet sind von einer unaufhaltbaren Abwärtsspirale betroffen, einer dauerhaften sozialstrukturellen und sozialräumlichen Verfestigung der Armut.[7] „Die Reichen wohnen wo sie wollen, die Armen, wo sie müssen.“[8]

Migration und Segregation

Migranten und Migrantinnen sind oft von Arbeitslosigkeit, prekären Beschäftigungsverhältnissen und Ausgrenzung betroffen. Die Polarisierung der Einkommensverhältnisse wird überlagert von Migration, die zur Ethnisierung sozialer Ungleichheit beträgt.[9] „Auf gesamtstädtischer Ebene ist eine Segregation der ausländischen bzw. türkischen Bevölkerungen auf bestimmte Quartiere zu beobachten“ (ethnische Quartiere)[10] Diese Quartiere sind von der Wohnqualität und vom sozialen Status her benachteiligt. So leben zum Beispiel auch im benachteiligten Stadtteil Dortmund-Nordstadt 42,2% Menschen mit Migrationshintergrund (Durchschnitt Gesamtstadt 12,9%).[11] Ebenso wird mit dem Blick auf den Schulabschluss deutlich, dass Migranten und Migrantinnen benachteiligt sind- die Mehrheit der Zuwanderer und Zuwanderinnen absolviert nur die Hauptschule.[12]

Arbeitsplatzverlust, Bewegung und Protest

Entscheidungen in der Stadtpolitik finden heute meistens ohne die Bürger und Bürgerinnen einzubeziehen statt, wie zum Beispiel bei dem Verkauf von Kommunal- und Sozialwohnungen.[13] Viele Mieter und Mieterinnen im Ruhrgebiet haben sich zusammengeschlossen und versucht, die geplanten Privatisierungen zu stoppen (z.B. Mieterinnenprotest zum LEG-Verkauf).  Auch bei der Werkschließung im Jahr 2008 von Nokia in Bochum gab es Proteste und Demonstrationen und bei der aktuellen Bedrohung von Opel in Bochum werden Warnstreiks und Proteste erwartet.

Jugendliche und Perspektivlosigkeit

Für die Eintrittskarte in das gesellschaftliche Leben ist die Schulbildung wichtig, diese ist jedoch u.a. abhängig vom Wohnort. Bildungschancen verteilen sich entlang von Grenzen sozialer und sozialräumlicher Ungleichheit.[14] Hier haben nichtdeutsche Schulabgänger und Schulabgängerinnen deutlich niedrige Abschlüsse als Deutsche. Jugendliche mit geringer Bildung und Qualifikation haben ein hohes Risiko arbeitslos zu werden und auch dauerhaft zu bleiben.[15]

Istanbul

Wie andere „Metropolen des Kapitals“ gerät auch Istanbul immer weiter unter Druck. „Vom global agierenden Immobilienkapital kräftig angeheizt und von der Politik bewusst forciert, ist der Transformationsprozess der historisch gewachsenen Stadtstruktur Istanbuls in vollem Gange.“[16] Nach europäischen Vorbildern vollzieht sich der Umbau der Stadt, auch soziale Polarisierung und Segregation nehmen immer weiter zu.

Gentrification/Wohnen

Noch erschwinglicher innerstädtischer Wohnraum muss entweder hochwertigen Büro-Appartements oder Luxuswohnungen weichen. Zerfallene Wohnviertel werden saniert, und die Mieten für ehemalige Bewohner und Bewohnerinnen zu teuer (Gentrification). Die Ergebnisse dieser Gentrification sind in vielen Stadtteilen zu beobachten: Cihangir gleicht immer mehr sanierten innerstädtischen Altbauvierteln und ähnliches ist zum Beispiel in Kuzguncuk, Ortaköy und viele mehr zu sehen.[17] So bilden sich in der Innenstadt sozial homogene Viertel der Mittelklasse aus, während Alteingesessene an den Stadtrand verdrängt werden.

Vertreibung und Protest

Gegen die aktuellen Stadtentwicklungsprojekte formiert sich vermehrt lokaler Widerstand. Ein bekanntest Beispiel ist sicherlich Sulukule, ein innerstädtisches, historisches Roma-Viertel. Hier werden die ehemaligen Bewohner und Bewohnerinnen verdrängt und ihre Häuser abgerissen. In Hinblick auf die Kulturhauptstadt im Jahr 2010 soll Istanbul „herausgeputzt“ werden.[18] Nicht nur die physische Struktur wird durch neue teure Stadthäuser verändert, auch die Bewohnerstruktur und das soziale und kulturelle Erbe werden durch die radikale Umwandlung zerstört. Sulukule ist ein UNESCO-Weltkulturerbe und eine derartige Veränderung ist laut deren Normen nicht zulässig.[19] Die Bewohner und Bewohnerinnen haben sich gegen die Vertreibung gewehrt und viele Menschen solidarisieren sich mit ihnen. Auch in anderen Vierteln, wie das Gecekondu Ayazma oder das innerstädtische Viertel Tarlabaşı, werden durch Transformationsprozesse radikal verändert. In Ayazma leben einige Familien in Zelten, weil sie sich einen Umzug in Mietappartements nicht leisten können.[20] Auch in Tarlabaşı wehren sich die Bewohner und Bewohnerinnen, hauptsächlich Migranten und Migrantinnen aus gegen Vertreibung und Gentrification, „die im Namen einer Europäisierung vorangetrieben wird.“[21] Die Bewohner und Bewohnerinnen haben eine Assoziation gegründet um für ihre Rechte auf Wohnen und Eigentum zu kämpfen.[22] In Gülsüyü Gülensu, ein ehemaliges Gecekondu- Gebiet im östlichen Teil Istanbuls, haben Bewohner und Bewohnerinnen erfolgreich gegen die lokale Stadtverwaltung gekämpft. Nachdem sie das offizielle Schreiben, dass ihre Nachbarschaft ein Transformationsgebiet ist, bekommen haben, haben sie 7000 Unterschriften gesammelt und 32 Gerichtsverhandlungen eröffnet, um gegen das Transformationsprojekt zu klagen.[23]

Segregation

Die städtische Struktur Istanbuls ist segregiert und fragmentiert. In den 80er Jahren gab es einen Konflikt zwischen niedrigen und hohen Einkommensklassen- die Reichen beanspruchten das Zentrum der Stadt und die Peripherie und die Armen wurden aus erschwinglichem Wohnraum im Zentrum verdrängt und haben sich in „neuen Armutsgebieten“ in der Peripherie niedergelassen.[24] Im Zentrum verdrängen Gentrification-Projekte alteingesessene Bewohner und Bewohnerinnen (ein Bekanntes Beispiel ist Beyoğlu) und in der Peripherie, in noch intakten Waldgebieten, werden mehr und mehr Gated Communities errichtet, die in den 1990er Jahren ihren Boom erlebten.

Die verschiedenen sozialen Schichten leben in Istanbul räumlich fragmentiert nebeneinander. Die heutige Form der Segregation zeichnet sich mehr durch eine aufgrund von Notwendigkeiten zusammengesetzte Struktur aus, als durch ein harmonisches Gefüge mit vielen verschiedenen metropolitanen Formen und Mustern..[25]


[1] Quelle: http://diepresse.com/home/wirtschaft/finanzkrise/452249/index.do?from=rss

[2] Quelle: http://www.kommunal-ist-optimal.de/index.php/Aufruf

[3] Häußermann, Siebel 2004: 7

[4] Häußermann, Siebel 2004: 21

[5] Sozialatlas Dortmund 2007: 58

[6] Strohmeier 2002: 47

[7] Voß 2002: 177

[8] Strohmeier 2002: 40

[9] Häußermann, Siebel 2004: 9

[10] Fischer 2001: 16

[11] Grunwald 2007: 185

[12] Waltz 2007: 75

[13] Doderer 2008: 101

[14] Dortmunder Sozialatlas 2007: 86

[15] http://www.dgb.de/2008/10/10_jugendarbeitslosigkeit/

[16] http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1612204_ Auf-der-ueberholspur-gen-Westen.html

[17] Ebd.

[18] http://squattercity.blogspot.com/2008/01/gypsies-face-boot-in-istanbul.html

[19] http://40gun40gece-sulukule.blogspot.com/

[20] http://eng.habitants.org/noticias/inhabitants_of_europe/ayazma_istanbul_solidarity_tent_waiting_for_solution_after_demolition

[21] http://www.taz.de/4/taz-reisen/tazreisen-tuerkei/artikelseite/programm/

[22] Tan 2008: 4

[23] Tan 2008: 5

[24] Altinok 2008: 9

[25] Altinok 2008: 9

Istanbuler Projektteil

Der Fotojournalist Fatih Pinar führt das Fotoprojekt in verschiedenen Transformationsgebieten Istanbuls durch.

Thema

Fatih Pinar möchte die bauliche Struktur und das Leben und die Lebensweise der Bewohner/innen in Stadtvierteln beleuchten, bevor der „Istanbul transformation plan“ implementiert wird. In vielen Stadtvierteln, wie zum Beispiel in Sulukule und Tarlabaşı, sind radikale Umbrüche und Zerstörung der gewachsenen Strukturen bereits im vollen Gange. Fatih dokumentiert den Grad der Zerstörung der baulichen Struktur und die Reaktionen der Bewohner/innen.

Stadtteile/Nachbarschaften:

1 Perşembe Pazarı

2 Tarlabaşı

3 Süleymaniye

4 Sulukule

5 Haliç Dockyard

6 Zeyrek

7 Eyüp

8 Haydarpaşa Terminal

9 Üsküdar

10 Balat

11 Ayvansaray

12 Kumkapı

In jedem Stadtteil wird einen Monat geforscht, so dass das Projekt innerhalb von einem Jahr fertig gestellt wird.

Arbeiten

Fotos: Die Arbeiten werden auf Grundlage der Foto-Interview-Technik des Fotojournalismus produziert und jede/r Bewohner/in wird als Subjekt behandelt, wie in „Craftsmen of Perşembe Pazarı“, „The Streets of Süleymaniye“, „The inhabitants of Zeyrek and Haliç Dockyard“. Ein Beispiel ist unter http://www.fatihpinar.com/m_persembepazari.asp verfügbar.

Tonaufzeichnungen: Tonaufzeichnungen werden mit der Sony IC Digital Videokamera aufgezeichnet. Alle Interview mit den Bewohner/innen, spontane Stimmen im täglichen Leben und die Atmosphäre im Stadtteil werden dokumentiert.

Multimedia: Aus den Fotos und Tonaufzeichnungen werden Videos produziert. Die Videos werden mit der Sony HVR A1 aufgenommen und haben einen Umfang von ca. 10 Minuten. Diese Videos werden im Internet, unter http://www.mediastorm.org , gezeigt. Mediastorm ist eine Plattform von der Brightcove Company aus Cambridge, auf der Fotojournalisten ihre Arbeiten zeigen können. So sind die Videos jederzeit im Internet verfügbar und haben alle englische Untertitel.

Buch: Es wird ein Fotoalbum produziert. Die kompletten fotografischen Arbeiten aus den 12 Stadtteilen werden mit begleitenden Texten und Informationen versehen.

Ausstellung

Ausstellung Metropole- voll krass: Die Arbeiten werden zusammen mit fotografischen Arbeiten aus dem Ruhrgebiet im Jahr 2010 in Istanbul und im Ruhrgebiet gezeigt.

Ausstellung: Im Rahmen der Kulturhauptstadt Istanbul 2010 wird eine ausgewählte Anzahl von Arbeiten in einer zentralen Ausstellungshalle gezeigt.

„Straßenausstellung“: Ebenfalls im Jahr 2010 werden Arbeiten in der Öffentlichkeit gezeigt, in den betroffenen Nachbarschaften in Cafes, Geschäften, Restaurants, Lebensmittelläden, Kneipen etc. So werden die Nachbarschaften und Bewohner/innen in die Arbeit mit eingebunden.

Interaktive Ausstellung: Auf den Internetseiten Bianet und Istanbul 2010 werden die Arbeiten als Download zur Verfügung stehen.

Öffentliche digitale Anzeigetafeln: Eine umfassende Auswahl an Fotografien werden auf digitalen Leinwänden auf öffentlichen Plätzen und in U-Bahn-Stationen gezeigt.

DVD: Alle Video- und Multimediaarbeiten der 12 Stadtteile werden auf einer Dokumentar- DVD zusammengestellt.

Medien

Für die Veröffentlichung der Arbeiten steht ebenfalls eine größere Auswahl von Medien (Zeitungen, TV, Internet) zur Verfügung. Diese wären:

Bianet News Portal, http://www.bianet.org: Auf der Internetseite werden die Arbeiten in der ersten Woche eines Monats angekündigt und ein dauerhafter Link eingerichtet.

NTV Television: In der Serie „Ve Insan“ werden ebenfalls Arbeiten gezeigt.

ATLAS Magazine: Mit dem Chef des Magazines wurde abgesprochen, dass das Projekt in einem eigenen Atlas „The urban transformation project“ publiziert wird.

EXPRESS Magazine: Die Interviews mit den dazugehörigen Fotos werden in dem Magazine veröffentlicht.

ANZENBERGER Agency: Die fotografischen Arbeiten werden in der Anzenberger Agentur veröffentlicht, für das Fatih seit 2002 schon arbeitet. So hat das Projekt die Chance im internationalen Rahmen bekannt zu werden.

Für weitere Informationen:

Fatih Pınar

www.fatihpinar.com

Email: fatihpinara@yahoo.com

Tel: +90 532 7792999

Projektkonzeption Ruhrgebiet

Die für das Jahr 2010 geplante Fotoausstellung besteht aus zwei Teilprojekten, dem Ruhrprojekt und dem Istanbulprojekt. Der Istanbuler Teil „Istanbul – Before beeing transformed“ wird von dem Fotojournalisten Fatih Pinar aus Istanbul entwickelt und betreut.

Das Ruhrprojekt soll über mehrere Ebenen erarbeitet werden.

1) Eine Dokumentation des Strukturwandels und Umbruchs im Ruhrgebiet wurde von einigen kritischen Fotograf/innen bereits unternommen. Viele dieser fotografischen Arbeiten wurden und werden im „Pixelprojekt_Ruhrgebiet“ gesammelt. Wir werden zusammen mit dem Pixelprojekt_Ruhrgebiet sowie einer Jury aus Fotografie-Expert/innen und Stadtforscher/innen Fotografen und Fotografinnen des Pixelprojekts auswählen, die ihre Arbeiten in der Ausstellung „Ruhr: History demolished – Produktion einer Metropole“ zeigen.

2) „Geschichten der Transformation“ werden von Fotografie- und Design- Student/innen aus Düsseldorf und Essen (angefragt) mit fotografischen Mitteln produziert und dokumentiert. INURA Rhein-Ruhr arbeitet bei der Projektkonzeption mit Bewohnern und Bewohnerinnen der Region und den Studierenden und den verantwortlichen Dozenten/innen zusammen. Eine Auswahl aus den Arbeiten für die Ausstellung wird durch eine Jury vorgenommen.

Orte der Fotografie

Die Fotos können aus dem gesamten Ruhrgebiet kommen, allerdings werden die nördlichen Regionen bevorzugt. Im Rahmen der Arbeit mit den Fotografie-Student/innen werden wir gemeinsam mit ihnen Stadtteile und Orte festlegen, in denen sie fotografieren, filmen und interviewen sollen.

Arbeiten

Jede Art von Fotografien ist erlaubt, bevorzugt werden Fotos beruhend auf Fotojournalismus und Interviews. Textliche Begleitung der Fotografien ist wünschenswert. Videoproduktionen und Multimedia Arbeiten sind zulässig. Die Videos sollten nicht länger als 10 Minuten sein. Angesichts der internationalen Ausrichtung des Projekts sollen alle Erzeugnisse einen Englischen Untertitel haben. Die Titel der fotografischen Arbeiten werden wir letztendlich in Englisch, Deutsch und Türkisch abfassen. Im Moment planen wir kein Ausstellungskatalog – dieser wäre von zusätzlichen finanziellen und personellen Ressourcen abhängig. Dieser Internet-Blog wird alle relevanten Informationen zur Verfügung stellen.

Ausstellung

Die Ausstellung wird in dem Kulturhauptstadtjahr 2010 gezeigt, ist allerdings kein Teil der Kulturhauptstadtprojekte. Die Arbeiten aus dem Projekt „Metropole- voll krass“ werden zusammen mit dem Projekt „Istanbul – before beeing transformed“ gezeigt werden. Der Ausstellungsort wird für das Ruhrgebiet der Wissenschaftspark Gelsenkirchen sein (angefragt).

Partnerschaften

Zu dem heutigen Zeitpunkt gibt es folgende Projektpartner/innen:

AMOS Magazin

Fotojournalist Fatih Pinar

Fachhochschulen Düsseldorf

Heinrich-Böll-Stiftung NRW

Pixelprojekt_Ruhrgebiet

Weitere Informationen Zum Projektteil „Istanbul – before beeing transformed“ ist eine eigenständige Projektbe-schreibung verfügbar. Interessent/innen werden gebeten, sie anzufordern.

Vortrag

Pelin Tan – „Neoliberal urban transformation in Istanbul and opportunities of counter-culture in urban spaces

Im Rahmen des Fotoprojekts findet ein Vortrag über neoliberale Stadtentwicklung in Istanbul und dessen Auswirkungen statt. Zudem wird in der Veranstaltung die Frage diskutiert, ob es für gegenkulturelle Bewegungen Möglichkeiten zur Entfaltung im urbanen, von neoliberaler Stadtpoltik geformten Raum gibt.

Ort: Taranta Babu, Humboldtstraße 44, Dortmund

Beginn: 19 Uhr

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